Mittwoch, 10. Oktober 2018

Erst sterben die Insekten, dann die Menschen



„Wenn die Bienen aussterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen.“ Das soll schon Einstein gesagt haben. Und wie es aussieht, kann die Menschheit diese These bald in der Praxis testen – zumindest wenn sie so weitermacht. Denn: Drei Viertel des Insektenbestandes in Deutschland sind in den letzten 30 Jahren verschwunden. In anderen Ländern sieht es nicht besser aus. Einige Wissenschaftler sprechen deshalb vom sechsten großen Arten- und Individuensterben auf unserem Planeten.

Die Gründe für den starken Insektenschwund sind vielschichtig. Doch die Ursache ist klar: die in der Landwirtschaft eingesetzten Chemikalien irritieren, betäuben oder töten die Insekten. Hans Hinrich Kaatz von der Naturwissenschaftlichen Fakultät in Halle führte unterschiedliche Tests an Honigbienen durch. Mit Roundup (Glyphosat), das im Ackerbau massenhaft als Unkrautvernichter eingesetzt wird, untersuchte er mit seinem Team die Auswirkungen. Die Forscher fanden heraus, dass bei Bienen dosisabhängig durch Glyphosat nicht nur der Herzschlag herabgesetzt und sie damit deutlich geschwächt werden, sondern dass die Bienen zudem bei der Rückkehr zum eigenen Volk stark irritiert sind. Sie brauchen deutlich länger länger für den Rückflug zum Bienenstock oder bleiben ganz auf der Strecke. Während gezüchtete Bienenvölker diese negativen Auswirkungen teilweise abpuffern können, droht alleinlebenden Solitärbienen durch die giftigen Substanzen der Verlust ihrer Brut.

Doch nicht nur Pestizide machen Bienen, Käfern, aber auch Libellen und Schwebefliegen das Überleben immer schwerer. Agrarwüsten mit riesigen Feldern engen den Lebensraum von Insekten immer mehr ein. Fehlt Hummeln und anderen Wildbienen Nektar als Nahrung, haben sie kaum eine Chance den eigenen Nachwuchs durchzubringen, geschweige denn neue Königinnen großzuziehen. Der Agrarökologe Teja Tscharntke von der Universität Göttingen schätzt die Folgen von fehlenden Blühstreifen ähnlich schwerwiegend wie den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln ein. Dabei sorgen die kleinen Arbeiter und Lebewesen für eine jährliche Wertschöpfung von 150 Milliarden Euro, wie der Biologe Josef Settele vom HelmholtzZentrum für Umweltforschung erklärt.

150 Milliarden Euro - das ist der Wert, den allein die Bestäuber für uns Menschen an Nahrungsmitteln erschaffen. Ohne Lobby arbeiten sie still und heimlich und machen auch Drecksarbeit: Sie verwandeln tote Pflanzenteile zu wertvollen Böden und spielen bei der Aasverwertung eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus sind die Insekten Nahrung für viele andere Tiere, allen voran die Vögel. Und sie regulieren sich sogar gegenseitig. Vom Menschen als Schädlinge betrachtete Spezies sind oft die bevorzugte Beute von nützlichen Jägern. So haben alle Insekten, egal ob Bestäuber, Verwerter oder Jäger, ihre Funktionen im Kreislauf des Lebens. (Quelle: arte.tv)

Am Samstag, 24. November, um 21.55 Uhr gibt es dazu eine Arte-Dokumentation. Sie gibt Einblick in aktuelle Studien und erklärt, woran es krankt und wo dringender Handlungsbedarf besteht. Online kann die Dokumentation vom 23. November bis 24. Dezember unter www.arte.tv angesehen werden.


Mittwoch, 5. September 2018

Bio-Obst kostenlos jetzt überall



Überall findet man derzeit Äpfel, Birnen und Pflaumen an den Bäumen. Trotz der Klage der Landwirte über die schlechte Korn-Ernte wird das Obst auf den vielen Streuobstwiesen jedoch nicht verarbeitet, sondern achtlos hängen oder liegen gelassen. Essbar ist es aber auch noch, wenn es herunter gefallen ist, weil es zumeist unversehrt im weichen Gras gelandet ist. Hinzu kommt, dass auf den Streuobstwiesen noch viele alte Apfel-Sorten wachsen, die nicht nur besonders schmackhaft sind, sondern sich auch gut lagern lassen, so dass man den ganzen Winter davon zehren kann.

Trotzdem kaufen viele ihr Obst auch derzeit weiterhin im Supermarkt. Dort hat die Schönheit der immer gleich aussehenden Äpfel und Birnen oder auch Zwetchgen jedoch ihren Preis. Laut Greenpeace sind 83 Prozent der konventionell produzierten Äpfel mit Pestiziden belastet. 60 Prozent enthalten sogar Pestizid-Cocktails von zwei bis acht Wirkstoffen. Einzig die teureren Bio-Äpfel sind komplett frei von Rückständen.

Stark mit Pestiziden belastet sind ebenfalls Birnen, insbesondere aus der Türkei und den Vereinigten Staaten. Zu den weiteren starken Pestizid-Trägern gehören Erdbeeren, Weintrauben, Sellerie, Pfirsiche, Spinat, Paprika, Nektarinen, Gurken, Cherrytomaten und Kartoffeln. Gerade diese belasteten Lebensmittel sollte man daher bevorzugt in Bio-Qualität kaufen oder aber sie gründlich mit Natron waschen, bevor man sie verzehrt.

Am einfachsten ist es jedoch derzeit, sein Obst selbst zu sammeln, was gleichzeitig ein besonderer Spaß auch für Kinder ist. Den Sonntags-Ausflug mit dem Auflesen oder Pflücken von Obst zu verbinden, ist nicht nur lehrreich, sondern bereichert das Familien-Essen in besonderem Maße mit Lebensmitteln in Bio-Qualität. Denn da man nicht weiß, wie sich die Pflanzengifte letztlich auch auf die Gesundheit auswirken, lohnt es sich allemal, sich auch nach gefallenem Obst zu bücken.

Vorsicht vor dem heimischen Kraut



Eigentlich sieht es ganz hübsch aus, wenn es so gelb blüht. Und es ist – im Unterschied zu den sich immer weiter verbreitenden Neophyten wie Bärenklau oder Ambrosia – eine alte heimische Pflanze. Trotzdem ist es gefährlich. Die Rede ist vom Jakobskreuzkraut, das insbesondere Pferdebesitzer fürchten. „Das Jakobskreuzkraut ist überall verbreitet und eine wichtige Futterpflanze“, sagt Klaus Weddeling von der Biologischen Station Eitorf. Der Diplom-Biologe meint damit insbesondere Insekten wie den Jakobskreuzkraut-Bär, eine Schmetterlingsart, die auf der Pflanze lebt und sich deren Gift zunutze macht, um sich selbst vor Fraßfeinden zu schützen. Deswegen ist Weddeling auch dagegen, die Pflanze auszurotten, obwohl sie sich seit 2004 laut der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen vermehrt ausbreitet. Erklärt wird das mit der Trockenheit und damit, dass sich die Samen früher in Wildsamenmischungen befanden, die nach Straßenbaumaßnahmen ausgestreut wurden.

Aber die Pflanze hat ihre Tücken, denn im Gegensatz zu Insekten, die keine Leber haben, führt der wiederholte Genuss des Jakobskreuzkrautes bei Warmblütern zu chronischen Leberschäden und damit zum Tod. Das gilt für Pferde ebenso wie für Menschen. Bei einem Pferd reichen 20 Pflanzen im Leben, da das Gift nicht abgebaut wird, sondern sich in der Leber anreichert. Zwar meiden Pferde instinktiv das Kraut – ein Grund warum es sich gerade auf Pferdeweiden besonders gut ausbreiten kann – aber es kann über das Heu in den Organismus der Tiere gelangen. Denn das Jakobskreutzkraut ist im getrockneten Zustand ebenso giftig. Rinder und Schafe scheinen indes weniger anfällig für das Gift des Korbblütlers zu sein, der sich besonders auf extensiv genutzten Weiden, Stilllegungs- und Grünlandflächen, an Wegrändern und Böschungen ausbreitet. Auf nur wenig bewirtschafteten Flächen empfiehlt Weddeling daher eine intensive Grasnarbenpflege, die wiederum den Samen wenig Ansiedlungsmöglichkeiten bietet.

Die Biologische Station hat sogar ein Förderprogramm für die Landwirte aufgelegt, die im Rahmen von Naturschutzmaßnahmen auf extensiv genutzten Weiden Probleme mit der Ausbreitung der Pflanze bekommen. „Sie erhalten 250 Euro, wenn sie die Pflanze mechanisch entfernen“, sagt Weddeling. Anträge auf Förderung können Landwirte auch beim Rhein-Sieg-Kreis stellen, wenn sie die Pflanze naturschutzgerecht entfernen, wie Bettina Heinrichs-Müller von der Pressestelle sagt. Das heißt also, sie vor der Mahd von Hand auszureißen oder aber die Flächen vor der Blüte im Juni und im Herbst nochmals zu mähen und das Mahdgut etwa in einer Biogasanlage zu entsorgen. Die Landwirtschaftskammer empfiehlt bei starkem Befall sogar Spritzmittel. Wo es sich im Kreisgebiet besonders ausbreitet, kann Heinrichs-Müller nicht sagen, da das nicht dokumentiert wird. „Es ist nicht unsere Aufgabe, eine einheimische Pflanze auszurotten“, sagt sie.

Keine Beachtung findet dabei die Gefahr der Belastung des Honigs durch die Pyrrolizidinalkaloide (PA) von Senecio jacobaea, wie das Kraut mit botanischem Namen heißt. Laut Aussage eines Imkers sei diese allerdings „bei der Menge an Bienenvölkern hier eher verschwindend.“ Anders sehe es aus in Gegenden wie Schleswig-Holstein, wo es ganze Felder des Krautes gebe. Wer im eigenen Garten das Jakobskreuzkraut bekämpfen will, der kann es einfach ausreißen, sollte aber dabei Handschuhe tragen, denn es gibt Hinweise darauf, dass die Toxine auch über die Haut aufgenommen werden.



Info:
Das Jakobskreuzkraut
Seit 2004 tritt das Jakobskreuzkraut, das auch unter dem Namen Jakobsgreiskraut bekannt ist, in Nordrhein-Westfalen verstärkt auf. Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine Rosette mit tief geschlitzten Blättern. Von ihrer Pfahlwurzel ausgehend, erstrecken sich zahlreiche Faserwurzeln im Umkreis von 30 Zentimetern.

Im zweiten Jahr wächst der aufrechte Stängel, der sich in der Mitte verzweigt und ab Mitte Juni erscheinen zahlreiche 15 bis 20 Millimeter große goldgelbe Einzelblüten,die bis zu 1,20 Meter hoch werden können. Sie ähneln dem Johanniskraut, das aber ganz andere Blätter hat. Hauptblütezeit ist Juli bis August, woher auch der Name stammt: Jacobi am 25. Juli.

Die Verbreitung der Pflanze erfolgt wie beim Löwenzahn über den Wind, der die Samen verteilt. Eine Pflanze kann, wenn sie regelmäßig geschnitten wird, bis zu acht Jahre alt werden. Lässt man sie ungestört blühen und aussamen, treibt sie im Folgejahr zumeist nicht mehr aus. Zwar ist man dann die Mutterpflanze los, hat aber über den Samen unzählige neue Pflanzen im Garten.

Freitag, 7. Juli 2017


Wie wird das Sommerwetter - heute ist Siebenschläfertag

"Wie das Wetter am Siebenschläfertag, es sieben Wochen bleiben mag", diese alte Bauernregel, die auf einen langen Schlaf der Gläubigen anspielt, beschäftigt noch heute viele Menschen. Sie geht zurück auf eine Legende, in der sieben Gläubige verfolgt wurden. Sie versteckten sich in einer Höhle vor dem römischen Kaiser Decius. Dieser hatte verlangt, dass die Gläubigen den heidnischen Göttern opferten, was sie aber nicht wollten.

Der Kaiser ließ nach ihnen suchen und sie wurden in der Höhle entdeckt, wo sie eingeschlafen waren. Er wollte sie lebendig begraben und ließ die Höhle mit einem großen Stein versperren. Aber ihr Gott wachte über sie und versetzte sie in einen langen Schlaf. Nach mehreren Jahrhunderten wurden die Sieben wiederentdeckt und erwachten. Überwältigt von der Geschichte ließ der neue Kaiser eine Kirche über der Höhle errichten. Die Gläubigen verfielen sodann in den ewigen Schlaf.

Was den Wahrheitsgehalt dieser Bauernregel angeht, so gilt der Zeitraum um den Siebenschläfertag als meteorologische Singularität, wie eine Witterungseigenartigkeit mit hoher statistischer Wahrscheinlichkeit genannt wird. Denn tatsächlich stabilisiert sich die Großwetterlage um die erste Juliwoche für den Sommer. Für lang anhaltenden Regen sorgt ein Islandtief, wenn es mit dem Azorenhoch in dieser Zeit aufeinander trifft. Wenn der Jetstream im Norden die Tiefdruckgebiete nach Nordeuropa ablenkt, wird es indes ein warmer, sonniger Sommer.

Da aber die alte Bauernregel deutlich vor der gregorianischen Kalenderreform von 1582 entstand, ist der eigentliche Siebenschläfertag nicht der 27. Juni, sondern heute, 7. Juli. Und das bedeutet gemäß Aussage von www.wetteronline.de, dass die Großwetterlage einen eher unbeständigen und kühlen Trend anzeigt - komisch, scheint doch eigentlich die Sonne...

Donnerstag, 2. März 2017

Wolf, Biber & Co.


Morgen, 3. März, ist der Tag des Artenschutzes. Zu diesem Anlass verweist der Deutsche Tierschutzbund auf zwei Tierarten, die erfolgreich in Deutschland wieder Fuß fassen konnten: Biber und Wolf haben sich seit einigen Jahren wieder etabliert und stehen heute unter Schutz. Das ist eigentlich ein Erfolg, aber es kommt immer wieder zu negativen Schlagzeilen, auch wenn viele die Tiere als Bereicherung ansehen.

Landwirte sorgen sich um ihre Schafe, Ziegen oder Rinder und Jäger sehen ihren Wildbestand gefährdet. Dämme, die von Bibern errichtet werden, lassen den Grundwasserspiegel steigen und kommen somit ebenfalls den Menschen in die Quere. Darum gibt es Menschen, die den Abschuss von Biber und Wolf fordern oder auch ihre Aufnahme ins Jagdrecht.

„Eine Herabsetzung des Schutzstatus wäre jedoch fatal und würden die jahrzehntelangen Bemühungen zum Schutz dieser Tierarten zunichte machen“, mahnt James Brückner, Leiter des Artenschutzreferats beim Deutschen Tierschutzbund. „Bereits jetzt gibt es über entsprechende Managementpläne zahlreiche Möglichkeiten, etwaige Konflikte mit Menschen möglichst gering zu halten und gleichzeitig Schutzmaßnahmen zu gewährleisten.“ Das können unter anderem Ausgleichszahlungen für Tierhalter und Landwirte sein.

Im Jahr 2000 bekamen wildlebende Wölfe erstmals in Deutschland, in Sachsen, wieder Nachwuchs. Seitdem haben sich auch in anderen Bundesländern mehrere Rudel angesiedelt. Seit dem Jahr 2009 wurden vereinzelt Wölfe in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen. Bisher handelte es sich um durchziehende Einzeltiere und noch nicht um sesshafte Wölfe. Im Rheinisch-Bergischen Kreis wurde im vergangenen Jahr ein Wolf in Rösrath nachgewiesen, der zwei Ziegen gerissen hatte. Wer welche im Rhein-Sieg-Kreis entdecken sollte, sollte sie dem NABU melden (www.nabu.de).

Biber wurden in unserer Region noch nicht gesichtet, aber es gibt wohl erste Populationen in Aachen, Düren, Kleve, Wesel und in der Eifel. Von ihnen und ihren Staudämmen profitieren viele heimische Tier- und Pflanzenarten wie gefährdete Vögel, Amphibien und Insekten. Trotzdem werden ihnen oft Schlagfallen, die zur Bisam- und Nutria-Bekämpfung aufgestellt werden, zum Verhängnis.

Weniger erwünscht sind die possierlichen Waschbären - sie gelten als sogenannte Neozonen, da sie hier niemals beheimatet waren. Sie stammen aus Nord- und Mittelamerika. Im Jahr 1934 setzte man aus jagdlichen Gründen am hessischen Edersee zwei Paare aus. Gut zehn Jahre später schafften es weitere, aus einer Pelztierfarm im Kreis Strausberg (östlich von Berlin) zu entkommen. Sie alle bildeten den Grundstock des heutigen deutschen Bestandes bilden. In NRW lassen sich Waschbären besonders im östlichen Landesteil und auch in Much nachweisen.

Donnerstag, 29. September 2016

Auf Tour in der Eifel



http://www1.wdr.de/fernsehen/wunderschoen/sendungen/tierisch-schoen-eifel-100.html

Mittwoch, 24. August 2016

Günstig, aber schwer verdaulich: Industriebrot



Jeder Deutsche nimmt jährlich 80 Kilogramm Brot zu sich und das, obwohl viele ein Verdauungsproblem damit haben. Sie leiden unter schmerzhaften Blähungen. Darum greifen viele Menschen, die ein empfindliches Verdauungssystem haben, auf Urgetreide wie etwa Dinkel zurück, weil dies bekömmlicher ist. Wissenschaftler der Universität Hohenheim haben aber jetzt in einer Studie nachgewiesen, dass es nicht an den Kornsorten, sondern an der Backtechnik liegt, ob ein Brot schwer verdaulich ist oder nicht.

Ein Team vom Lehrstuhl Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel und der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim fand heraus, was das Brot aus Urgetreide bekömmlicher macht und stellte überraschend fest, dass es an der Backtechnik und nicht an der Getreidesorte liegt. Denn als mögliche Auslöser der Verdauungsstörungen nach Brotgenuss gelten FODMAPs (fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole). Das sind Zucker, die aus bestimmten Zuckermolekülen bestehen, die im Dünndarm nicht ausreichend abgebaut werden können. Daher gelangen sie unverdaut in den Dickdarm und können dort schwere Blähungen verursachen.

Wie die Wissenschaftler herausfanden, enthalten Urgetreide ebensoviele niedermolekulare Zucker wie herkömmliches Getreide. Darum untersuchten sie die Teigzubereitung und analysierten aus den Getreidemehlen bereitete Teige nach einer, zwei, vier und viereinhalb Stunden Gehzeit. Dabei kam heraus, dass die höchsten Gehalte an FODMAPs bei allen Getreidesorten in den Teigen nach einer Stunde waren. Nach viereinhalb Stunden waren selbst im Teig aus Brotweizen nur noch zehn Prozent der niedermolekularen Zucker enthalten.

Häufig seien es kleine, traditionell arbeitende Bäckereien, die Produkte aus Urgetreiden herstellten. „Die in der Regel langsamere Brotbereitung im traditionellen Bäckerhandwerk sorgt dafür, dass die Beschwerden verursachenden Bestandteile im Brot bis zum Backen bereits abgebaut sind“, erklärt Prof. Dr. Dr. h.c. Carle vom Hohenheimer Lehrstuhl Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel. „Großbäckereien dagegen backen ihre Teiglinge meistens bereits nach einer Stunde Gehzeit. Das ist der Zeitpunkt, an dem nach unserer Analyse die meisten FODMAPs im Teig enthalten sind“. so der Professor.

Zudem ist bereits seit längerem bekannt, dass bei längerer Gehzeit mehr Spurenelemente wie Eisen und Zink im Brot enthalten sind. Denn beim längeren Arbeitsprozess werden Phytate abgebaut, die wiederum verhindern, dass Eisen und Zink für den menschlichen Körper verfügbar werden.

Fazit: Industriell hergestellte Lebensmittel sind zwar günstiger, aber nicht unbedingt gesünder. Wer Wert auf gesundheitsbewusste und zudem umwelt- und tiergerecht hergestellte Lebensmittel legt, ist beim Bäcker oder Metzger um die Ecke sowie bei einem regionalen Anbieter garantiert auf der richtigen Seite.